Kirchspiel Lamspringe Graste Netze Neuhof
Unser Kirchspiel besteht aus vier Orten mit je eigener Predigtstelle: Lamspringe, Graste, Netze und Neuhof.
Gemeinsam wollen wir unseren christlichen Glauben leben. Dazu gehören Gottesdienste und diakonisches Engagement, genauso wie unsere zahlreichen Gruppen, in denen auch mal geklönt und/oder gebastelt wird. In allem möchten wir untereinander und mit Jesus Christus verbunden sein, der Ursprung, Kraft und Ziel unseres Lebens ist.

Unsere Gemeinde gibt es nicht erst seit gestern, sondern sie hat eine lange und bewegte Geschichte! Es folgt eine Darstellung der Geschichte der Lamspringer Kirche von Axel Kronenberg.

Geschichte der Lamspringer Kirche

Das Leben der evangelischen Kirchengemeinde beginnt mit vorübergehenden Einführung der Reformation am 20. Oktober 1542 durch den Schmalkaldischen Bund bzw. endgültig im Jahre 1568 durch Herzog Julius von Braunschweig. Von da ab nutzte die junge evangelische Gemeinde die ehemaligen Klosterkirche in Lamspringe für ihre Gottesdienste. Aber mit der Rückgabe des Großen Stiftes Hildesheim an den Bischof von Hildesheim im Jahre 1629 begann die Rekatholisierung Lamspringes. Mit der Übergabe der ehemaligen Klosterkirche an die englischen Benediktiner am 19. Oktober 1643 wurde der evangelischen Gemeinde auch ihr bisheriges Gotteshaus genommen. Sie stand nun ohne Kirche da und musste zu ihren Gottesdiensten nach Graste und Neuhof gehen.

Es gelang ihr nach einer vom Hildesheimer Bischof im Jahre 1647 genehmigten Sammlung unter Pastor Christoph Rüdemann schon bald eine kleine Kirche am nördlichen Fleckenausgang zu bauen, wie sie der Merianstich von 1652 zeigt.

Da diese erste Kirche für die Gemeinde aber bald zu klein wurde,  versuchte sie, eine größere zu bauen. Die dazu erforderliche Genehmigung des Abtes Placidus Gascoigne des Klosters, des Patrons der Gemeinde, erhielt sie aber erst nach langem Streit. Als der Abt schließlich zustimmte, bewilligte er auch noch Bauholz. So wurde eine Kirche im Barockstil mit einem abgesetzten Chor erbaut, aber noch ohne einen Turm. Sie wurde am 8. November 1682 geweiht und in Benutzung genommen. Aber ihr war kein langes Bestehen bestimmt, denn der große Brand vom 8. November 1690 vernichtete sie mitsamt dem Pfarrhaus, seinen Abendmahlsgeräten und Kirchenbüchern, sowie viele Fleckenhäuser. Da viele der Bürger durch den Brand selbst geschädigt worden waren, war es ihnen nicht möglich, Geld für den Wiederaufbau ihrer Kirche aufzubringen. Es gelang ihnen aber, die in Bodenburg und Bornhausen lebende verwitwete Freifrau Sophie Catharina von Steinberg, geb. von Münchhausen, als Stifterin zu gewinnen. Sie ließ zusammen mit ihrem 10jährigen Sohn Johann Adolf auf ihre Kosten die jetzigen Kirche auf den Grundmauern der alten Kirche neu erbauen und ausstatten. Auf sie als Stifterin geht der Name Sophienkirche zurück, wie die Kirche sein den 1980er Jahren heißt. Vorher hieß sie „Fleckenkirche“, „Von-Steinberg-Kirche“ oder „Evangelische Kirche.

Nach langjährigen Bemühungen gelang es der Gemeinde der Kirche endlich im Jahre 1819, einen Glockenturm zu errichten, nachdem das unmittelbar neben der Kirche stehende Fleckenbrauhaus abgerissen und gegenüber neu erbaut worden war.

 

Am 15. Juli 1820 war der Bau des gemauerten Turmes soweit fertiggestellt, dass der Turmknopf aufgesteckt werden konnte.

 


 

Der Portalstein aus Buntsandstein über dem Eingang erinnert an die Stifter und die Verantwortlichen der Gemeinde. Unter der Vase steht, auch in Sandstein gehauen, zwischen Rollwerk die (heute stark verwitterte) lateinische Inschrift:

Diese lautet übersetzt:

„Zur Ehre Gottes. Georg III. König von Brittanien und Hannover Verteidiger des Glaubens, allergnädigster Patron. Dieses Pfarrei hat auf seine eigenen diesen Turm, den A. Kratzenberg gebaut hat, dieser Kirche zum Geschenk gegeben. Im Jahr1819.

Dr. Friedrich Brackmann, Superintendent. Heinrich Lehmann, Amtmann. Friedrich Stephenson, Pastor. Friedrich Heinsius, Assessor. Adolf Lüttge, Franz Wagenschieber, Kirchenvorsteher. Ludolf Albrecht, Bürgermeister. Die Einigkeit blühe hier immer und sei ungetrübt.“

 

Der Schlussstein der Portaleinfassung wurde mit der Krone und dem Monogramm „GR“, des Landesherren, König Georg III. von Hannover und Großbritannien, verziert.

Die Kirche diente dann viele Jahrzehnte den Gottesdiensten, bis im Jahre 1841 eine grundlegende Renovierung notwendig wurde, da sich das Kirchenschiff in einem schlechten Zustand befand. Es ist die gedruckte Predigt von Pastor Münchmeyer vom 29. Dezember 1841 erhalten, in der er den Bau mit seinen Schwierigkeiten  schildert.

Einige Jahre zuvor war das beim großen Fleckenbrand im Jahre 1831 beschädigte Pfarrhaus abgerissen und im Fachwerkstil neu so erbaut worden, wie es heute noch besteht.

Bei der Renovierung der Kirche im Jahre 1841 wurde der bisher noch mitbenutzte Seiteneingang zur Hauptstraße zugemauert. Dieser Eingang war beim Neubau 1692 mit einer Portalbekrönung mit der Widmungsinschrift versehen worden, die der Goslarer Bildhauer Johann Heinrich Lessen aus Sandstein geschaffen hatte. Die Inschrift des mit den Wappen der von Steinberg und von Münchhausen und Engeln verzierten Portalstein lautet:

 

Diese abgebrannte Kirche /

hat Hr. Henning Adolphs von Steinbergs /

Witwe nebst derem Einigen Sohn Johan Adolphs /

von Steinberg allein Gott zu Ehren auffbauen lassen /

der wolle sie vor unglück behüten undt bei reiner Lehre /
Erhalten das durch sein wort viel Menschen selig werden mögen. Anno 1692 /“

Im 20. Jahrhundert wurden im Inneren der Kirche erhebliche Veränderungen vorgenommen, da sich das Gottesdienstverhalten der Gemeinde gewandelt hatte. Im Jahre 1950 wurde die zweite Empore herausgenommen, da die Zahl der Gottesdienstbesucher stetig abgenommen hatte. Im Jahre 1967 wurde aus dem Kanzelaltar ein Stück von ca. 1 m Höhe mit zwei geschnitzten Holzrosetten herausgenommen, da er damals als zu hoch angesehen wurde. Gleichzeitig wurden die Sakristeiwände und die Altarempore entfernt. Das Abendmahlsbild in der Predella war bereits 1932 für wertlos erklärt und übermalt worden.

 

Ein Gang durch die Kirche

 

Der Kanzelaltar

Der Altar unserer Kirche ist ein Meisterwerk barocker Schnitzkunst. Er entstand 1692 nach dem Wiederaufbau der zwei Jahre kurz zuvor am 8. November 1690 mit dem Großteil der Wohnhäuser im Flecken Lamspringe abgebrannten Vorgängerkirche. Dank der Finanzierung des Neubaus durch die verwitwete Freifrau Catharina Sophie von Steinberg, geb. von Münchenhausen, war es möglich nicht nur den Kirchenbau neu zu errichten, sondern auch eine passende Innenausstattung im Stil der Zeit zu schaffen.

Frau von Steinberg und ihrem 12­jährigen Sohn Johann Adolph ge­lang es, für den Altar den Goslarer Bildschnitzer Heinrich Lessen zu gewinnen, der bereits mit seinem Sohn Jobst Heinrich in der neu er­bauten hiesegen Klosterkirche zahlreiche Schnitzarbeiten fertiggestellt hat­te. Meister Lessen schuf den neu­en Kanzelaltar im damals weit verbreiteten und beliebten Stil. Er schmückte den Kanzeldeckel, den Kanzelkorb und den Unterbau mit für seine Schnitzkunst typischen Blumen- und Blätterverzierungen. Er verzichtete auf Figuren­schmuck, brachte aber an der Kanzel das Wappen des jungen  Johann Adolph von Steinberg an.

 


 

Die heutige Farbfassung ist nicht mehr die ursprüngliche, denn mehrfache Restaurationen passten sich mehr dem jeweiligen Zeitge­schmack, als dem Original an. Da die Rechnungen der Handwerken aus dem 18. Jahrhundert fehlen, kann hierzu nur spekuliert wer­den. Die Entfernung bzw. Über­malung des Abendmahlsbildes in der Predella des Altars geschah ebenfalls 1934. Wie es wohl aus­gesehen hat?

 

Der Taufstein

Der Taufstein im Chor stammt aus Hary, wo er seit viele Jahre im Pfarrgarten gestanden hat. Ursprünglich war er im Jahre 1566 für die St. Adrianskirche in Störy angeschafft worden, kam aber später nach Hary. Als hier um 1732 ein Taufengel ange­schafft wurde, kam der Taufstein in den Pfarrgarten.

In der Sophienkirche gab es, wohl aus der Gründungszeit der Kirche, einen schlichten hölzernen Taufständer, in den bei Taufen eine zinnerne Schale mit dem Taufwasser gestellt wurde. Es gibt Hinweise darauf, dass es möglicherweise auch einen Taufengel gab, der aber spurlos verschwunden ist.

Im Jahre 1955 beschloss der Kirchenvorstand, auf Anregung der Landeskirche Hannovers, den in Hary nicht benötigten Taufstein nach Lamspringe zu holen und ihm in der Sophien­kirche einen würdigen Platz zu geben. Am 10. November 1957 wurde er hier neu geweiht. Dazu hatte der Steinmetzmeister Albes aus Hannover für die Steinschale einen achteckigen Steinsockel aus Kalkstein gearbeitet. Der Silberschmied Marby aus Isernhagen schuf den Deckel der Taufe aus Messing, dem er eine Strahlenkrone mit einer Spitze mit Kugel und Kreuz gab. In das Kreuz ist ein klarer Kristall eingelassen. Die alte Umschrift des Taufsteins ist bis auf die Jahreszahl 1566 (bis­her) nicht zu entziffern.

 

Die Orgel

Die erste Orgel wurde im Jahre 1792 zum 100jährigen Jubilä­um der Kirche für 400 Reichstaler angeschafft, musste aber bereits 1823-1826 durch eine neue Orgel des Orgelbauermeisters Berger aus Peine ersetzt. Sie kostete 528 Taler. Die alte Orgel nahm der Orgelbauer in Zahlung und verkaufte sie weiter nach Itzum.

Die jetzige Orgel wurde im Jahre 1875 von dem Orgelbaumeister Heinrich Schaper als Neubau erbaut. Heinrich Schaper ( 1802 – 1884 ) stammt aus Sack bei Alfeld. Er erbaute insgesamt 52 Orgeln für Kirchen im Alfelder und Hildesheimer Land, davon zählt die Orgel in Lamspringe zu den größten. Der Neubau von 1875 ist im Wesentlichen wenig verändert erhalten und besitzt 20 Register, 2 Manuale und Pedal, Schleifladen und mechanische Traktur. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten ( z. B. Furtwängler ) gestaltete Schaper die Dispositin des Pfeifenwerks überwiegend in barocker Weise. Der neugotisch gestaltete Prospekt geht auf Einflüsse des bekannten Hannoverschen Architekten und Baurat Conrad Hase zurück. Die letzte große Renovierung der Orgel fand im Jahre 2002 durch die Orgelbaufirma Gebrüder Hillebrand aus Großburgwedel statt. Die Denkmalorgel in Lamspringe stellt ein bedeutendes Kulturgut dar.

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Die Emporenbilder

Der Lamspringer Künstler Micha Kloth schuf in den Jahren 2005 bis  2007 einen Bilderzyklus von 12 farbigen Pastellgemälden für die Emporenbrüstungen, die im Jahreslauf Ereignisse und Feste aus dem biblischen Kirchenjahr wiedergeben. Die Bilder sind ein Geschenk des Künstlers an die evangelische Kirchengemeinde. Die Bilder be­ginnen vorn an der Südempore und bedeuten:

-         Januar                                                                  Die heiligen drei Könige

-         Februar                                                                Die Versuchung Jesu in der Wüste

-         März                                                                    Kreuzigung und Auferstehung

-         April                                                                    Der Auferstandene gibt sich zu erkennen

-         Mai                                                                      Christi Himmelfahrt

-         Juni                                                                      Pfingsten

-         Juli                                                                       Berufung der ersten Jünger

-         August                                                                 Die Gemeinde, ein Schiff

-         September                                                            Daniel in der Löwengrube und St. Michael

-         Oktober                                                                Erntedankfest

-         November                                                            Ewigkeitssonntag

-         Dezember                                                            Weihnachten. Geburt Jesu

 

Glocken

Im Turm hängen zwei Glocken, eine von 1814 mit einem Gewicht von 800 Kg, die im Jahre 1797 von Gießermeister Becker in Hildesheim gegossen worden war; sie musste wegen eines Sprungs im Jahre 1817 umgegossen werden. Die zweite Bronzeglocke (1200 kg) musste im 1. Weltkrieg abgegeben werden. Da sie nicht zurück kam, wurde sie 1921 durch eine Stahlglocke ersetzt

 

Die Sophienkapelle

Unter dem Kirchenschiff befinden sich zwei Gewölbekeller, von denen der nördliche zur Sophien-Kapelle umgebaut wurde. Der Raum und die Ausstattung wurde besonders dafür so gestaltet, dass hier besonders Taize-Andachten gefeiert werden können.

Nach mündlicher Überlieferung soll hier unten einst das Bier gelagert haben, das bis zum Bau des Kirchenturmes im Jahre 1819 im Brauhaus unmittelbar neben der Kirche gebraut worden war.

 

Dornbuschleuchter

Auf Initiative der Kontaktgruppe der Frauen wurde im Oktober 2009 vom Lamspringer Schmied Jürgen Bleckmann ein schmiedeeiserner Leuchter in Form eines brennenden Dornbusches geschaffen, der der persönlichen Andacht, aber auch besonderen Gottesdienstformen dienen soll.


Literatur:

  1. Unterlagen des Pfarramtes
  2. Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, Regierungsbezirk Hildesheim, bearbeitet von Oskar Kieker und Paul Graff, 6. Kreis Alfeld, Hannover 1929
  3. Festschrift zum 300-jährigen Jubiläum der evangelisch-lutherischen Sophie-Kirche zu Lamspringe 1692-1992
  4. Paul Graff, Der Landkreis Alfeld, 1929